Die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte, Neuwied, trauert um ihren Sonderschulrektor, Fred Körper, der am 6. Januar 2004 plötzlich und unerwartet im Alter von nur 56 Jahren verstorben ist.
Im Folgenden geben wir Auszüge aus der Traueransprache wieder, die am 15. Januar 2004 während einer bewegenden schulinternen Gedenkfeier für den Verstorbenen gemeinsam von Karl Ludwig Küster (Stellvertretender Schulleiter) und Petra Heinz (Internatsleiterin) gehalten wurde.
„Liebe Anwesende
Noch können wir es alle gar nicht fassen und begreifen, dass Fred Körper gestorben ist. Still war es in unserer Einrichtung, als wir von seinem Tod hörten. Die Nachricht war für uns alle ein Schock. Fassungslosigkeit, Bestürzung, Entsetzen, Hilflosigkeit, Trauer – diese Begriffe können nur annähernd beschreiben, wie uns allen zumute war.
Er soll einfach nicht mehr da sein?
Wir trauern über den Tod von Fred Körper und nehmen dabei zutiefst Anteil an dem schmerzlichen Verlust, der vor allem die Familie betroffen hat.
Was Fred Körper für ein Mensch war, weiß jeder von uns nur zu einem Teil. Wir kannten ihn als Kollegen und Chef, der vor 10 Jahren und 2 Monaten genau an dieser Stelle stand und mit Freude und unbändigem Tatendrang in die Zukunft blickte.
Fred Körper wurde am 25.1.1947 in Mehlbach im Kreis Kaiserslautern geboren. Nach Gymnasium und Wehrdienst studierte er für das Lehramt an Volksschulen und trat seine erste Stelle in der Sonderschule für Lernbehinderte in Bendorf-Mülhofen an. Nach dem Zusatzstudium der Sonderpädagogik wurde er an die Schule für Lernbehinderte in Rheinbrohl versetzt, wo er schnell entsprechend seinem zielstrebigen Naturell zum Konrektor und 1982 zum Rektor ernannt wurde. Schon in dieser Zeit fiel Fred Körper bei vielen Veranstaltungen als stets kritischer und engagierter Diskussionsteilnehmer auf, der seinen Standpunkt mit äußerster Energie vertreten konnte.
Am 3.11.1993 durften wir Fred Körper als neuen Leiter unserer Einrichtung begrüßen. Mit fast 50 Jahren schrieb er sich an der Uni Heidelberg als Student ein und legte das Examen der Blindenpädagogik mit Auszeichnung ab.
In unserer Einrichtung steckte er wesentliche Ziele, deren Umsetzung er mit grenzenlosem Einsatz vorangetrieben hat.
Fred Körper hat vieles in unserem Hause bewegen können, auch wenn einige seiner hohen Zielsetzungen im Laufe der Zeit der Realität Tribut zollen mussten.
Bleibende Spuren hat er hinterlassen, von denen wir einige beispielhaft aufführen möchten:
Hervorzuheben ist sein Einsatz für den erfolgreichen Ausbau der Frühförderung blinder und sehbehinderter Kinder. Es gelang ihm, für die Abteilung eine Leitungsstelle zu etablieren und die Anzahl der Mitarbeiter auf sieben zu erhöhen. Der Schriftverkehr hierzu füllt einige Aktenordner.
Durch seine entschlossene Vorgehensweise wurde die integrative Förderung blinder und sehbehinderter Kinder an Regelschulen und anderen Sonderschulen wesentlich weiter entwickelt. Mittlerweile umfasst die Abteilung neun Stellen.
Ziel seines Engagements war immer die bestmögliche Förderung aller blinden und sehbehinderten Kinder. So konnte er verhindern, dass die Reduzierung der Schülerwochenstunden bei der Neuordnung des Schulstellenbedarfsmodells bei Weitem nicht so drastisch ausfiel, wie ursprünglich vorgesehen. Dadurch konnte die Qualität der Förderung erhalten werden.
Viele Schuljahre gelang es ihm durch Verhandlungen und Interventionen den Stundenausfall in unserer Schule weit unter den Durchschnitt anderer Sonderschulen zu drücken.
Viele Jahre (schon zu Herrn Rektor Saxlers Zeiten) hatten wir vergebens darum gekämpft, den Bereich der begleitenden Dienste zu erweitern. Mit Fred Körper ist es uns gelungen, trotz schwierigster Haushaltslage des Landes einen Rehabilitationslehrer, eine Psychologin und eine Orthoptistin im Internat einstellen zu können. Hier hat er eine große fachliche Bereicherung der Einrichtung erreicht.
Besonders schwer gestaltete sich der Kampf mit der vorgesetzten Dienstbehörde um den Erhalt der Küche. Viele – auch teilweise unerfreuliche – Gespräche führten letztendlich zum gewünschten Erfolg.
Eines war ihm vom Beginn seiner Tätigkeit an besonders wichtig: Die gleichberechtigte Würdigung der Arbeit aller Abteilungen in unserem Hause.
Das Engagement für das Erreichen dieser und vieler weiterer Ziele kostete ihn viel Kraft und Energie. Sein unermüdlicher Einsatz, der oft für viele Mitarbeiter nicht sichtbar wurde, ist von uns nicht hoch genug zu bewerten und aus diesem Grunde haben wir ihm Anerkennung zu zollen und Dank zu sagen.
Wir haben von ihm nie gehört, das geht nicht, das ist unmöglich, das kann ich nicht. Unsere Meinung: „Das schaffst Du nie!“ war für ihn höchster Ansporn und manche Flasche Sekt hat er bei einer diesbezüglichen Wette gewonnen, manchmal auch verloren.
Fred Körper war ein streitbarer Mensch. Er scheute keine Konflikte und Streitigkeiten, wenn es darum ging, seine Vorstellungen umzusetzen.
Erich Kästner, Fred Körpers Lieblingsschriftsteller, sagt: ‚Auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas Schönes bauen.‘ So handelte Fred, so haben wir ihn gekannt.
Mehrere Tadel handelte er sich von den dienstvorgesetzten Behörden wegen seiner oft unkonventionellen Vorgehensweise ein. In seinen Bemühungen wurde er außen aber auch hier im Hause manchmal nicht richtig verstanden. Es ist oft leichter den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, keine Reibungsflächen zu bieten, Kritik nicht zu äußern oder sich hinter höflichen Floskeln zu verstecken. Das war nicht Freds Sache. Er musste manches Mal harte Entscheidungen treffen, aber alle seine Entscheidungen waren von dem Gedanken getragen: Das Wohl und die Förderung der Kinder sowie die Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen haben Vorrang. Er stellte hohe Anforderungen und demjenigen, der seinen Anforderungen nicht genügte, konnte er es klar und deutlich sagen. Die höchsten Anforderungen aber stellte er an sich selbst.
Ein großes Anliegen war Fred Körper die Reputation der Einrichtung in der Öffentlichkeit. Hervorzuheben ist sein unermüdliches Engagement bei der Planung und Durchführung der 100-Jahr-Feier unserer Einrichtung. Er ruhte nicht eher bis der Ministerpräsident selbst die Schirmherrschaft übernahm. Er versäumte nie eine Gelegenheit, die Schule mit ihren Anliegen in Mainz in Erinnerung zu rufen.
Der persönliche Höhepunkt des Jahres 2003 war im November die Geburt seines Enkels Ben. Er war ein stolzer und glücklicher Opa. Er freute sich königlich, wenn wir ihn mit Opa ansprachen. Jedem im Hause, zeigte er mit Stolz das Bild seines Enkels Ben. Er war überzeugt davon, dass Ben ganz der Opa sei.
Fred Körper war ein absolut lebenslustiger Mensch. Er liebte das Leben. Er lachte gerne. Wir werden sein schallendes Lachen im Flur vermissen, wenn er einen neuen Witz hörte. Am meisten konnte er über Witze lachen, die er selbst erzählte. Aber auch über sich selbst konnte er oft herzhaft lachen.
Mit Begeisterung war er bei der Sache, für den Förderverein Kulturveranstaltungen zu organisieren und Spenden zu sammeln. Wer kennt ihn nicht, Freds Begleiter und fleißigen Spendensammler bei den Veranstaltungen „Fred Ferkel, das rote Schwein!“
Von Beginn seiner Tätigkeit an hat er sich für die Ziele des Fördervereins eingesetzt. In einer kritischen Phase bei der Finanzierung des Projektes Förder- und Wohnstätte in Kettig für unsere schwerstmehrfachbehinderten ehemaligen Schüler setzte er sich mit viel persönlichem Einsatz für den Fortgang des Projektes ein. Wir beide danken ihm persönlich sehr für seine Hilfen und seine aufmunternden Hinweise, wenn wir nicht mehr weiter wussten. Von großer Bedeutung war es ihm, unseren schwerstbehinderten Schülern mit dem Bau der Förder- und Wohnstätte in Kettig eine Zukunftsperspektive zu schaffen.
Liebe Schülerinnen und Schüler,
ihr habt auch den Lehrer Fred Körper verloren. Viele von Euch hatten im Laufe der letzten Jahre bei ihm Unterricht in den verschiedensten Fächern. Er war gerne Euer Lehrer. Entsprechend seiner fröhlichen Art gab es keine Unterrichtsstunde, in der nicht gelacht wurde. Er war gerne mit Euch zusammen, besonders bei den Festen hier in der Aula, den Weihnachtsfeiern in den Internatsgruppen, den schönen Karnevalssitzungen, in denen ihr Euch manchmal lustige Wetten mit ihm ausgedacht habt. Stolz war er auf Euch, wenn Euch wieder eine tolle Feier mit schönen Beiträgen gelungen war.
Aber es gab auch den stillen, nachdenklichen Fred Körper. Oft war er von der persönlichen Situation eines neu aufzunehmenden Kindes und der Familie sehr betroffen. Aus dieser Betroffenheit heraus schöpfte er neue Energie und Tatkraft.
Sein Leitgedanke im Umgang mit unseren Schülern war: Jeder ist wertvoll durch das, was er ist, und nicht durch das, was er kann.
Im Arbeitsleben, so sagt man häufig, sei jeder ersetzbar. Das mag stimmen oder nicht. Fred Körper ist in seiner Art, in seiner Einzigartigkeit für uns nicht ersetzbar. Seine Aufgaben müssen übernommen werden, seine Funktion ist austauschbar. Der Mensch, Fred Körper, nicht.
Liebe Trauergäste,
so war er und so bleibt er uns in Erinnerung. Seine Ideen, sein Werk geben uns Kraft und werden uns Leitbild sein. Wir werden seinen Geist in dieser Einrichtung würdig erhalten.
Wir werden uns stets in Dankbarkeit und Freundschaft an Fred Körper erinnern. Wir sagen ihm Dank für seinen unermüdlichen Einsatz. Der Familie vor allem, aber auch uns fehlt er von nun an.
Wir erlauben uns zu sagen: Wir beide haben nicht nur einen Chef, sondern einen Freund verloren.“
Petra Heinz, Karl Ludwig Küster